Mysterienspiel von Hugo von Hofmannsthal
Gott weist den Tod an, Jedermann vor seinen Thron zu bringen, damit er Rechenschaft über sein Leben ablege. Jener ist jedoch gerade dabei, sich nach einem Lustgarten für seine Buhlschaft umzusehen. Andere Menschen scheinen ihm nicht besonders wichtig: der arme Nachbar wird von ihm abschätzig behandelt und der Schuldknecht seinetwegen sogar eingekerkert. Auch die Ermahnungen seiner Mutter zu einem gottesfürchtigen Leben helfen nicht weiter. Viel lieber feiert Jedermann mit seiner Buhlschaft ein rauschendes Fest. Als er auf jenem Bankett vom Tod abberufen wird, wird es allerdings sehr einsam um ihn….
Jedermann ist ein sakrales Spiel von den letzten Dingen des Lebens, das bereits im Mittelalter aufgeführt wurde. Hofmannsthal bearbeitete die anonym überlieferte, englische Dramatisierung Everyman von 1509 zu einem zeitlosen, allegorischen Spiel. Dazu befreite er die Figuren aus ihrer konventionellen Festlegung, schuf jedoch eine Sprache, die dem Charakter der alten Mysterienspiele in ihrer Volkstümlichkeit sehr nahe kommen sollte. 1911 wurde dieser Hofmannsthalsche Erneuerungsversuch in Berlin zum ersten Mal in Szene gesetzt, bevor er neun Jahre später zur Gründung der Salzburger Festspiele wieder auf die Bühne kam und seitdem alljährlich zu den Publikumsattraktionen des Festspielprogramms gehört. Damit ist es das einzige Bühnenspiel des Mittelalters, das sich in bearbeiteter Form bis heute im Theater halten konnte.
Regie Peter Rein | Ausstattung Bodo Demelius | Musik Peter Wesenauer