HINWEIS

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebes Publikum,

 

aus gegebenem Anlass finden vorerst keine Vorstellungen statt, auch der übrige Theaterbetrieb ruht weitestgehend.

 

Zeit, um darüber nachzudenken, wie wir auch in dieser Situation unserer Aufgabe nachkommen und Ihnen weiter Angebote der Emotion, der Reflektion, des Diskurses oder der Unterhaltung machen können. Erste Überlegungen hierzu münden in ein vielleicht überraschendes, aber deutliches Ergebnis: wir können es nicht!

 

Theater bedarf des gemeinschaftlichen Raumes. Sie müssen sich mit uns im gleichen Saal aufhalten, damit die viel gepriesene Theaterinteraktivität – Sie spüren uns, was Ihre Reaktionen beeinflusst, wir spüren Sie, was unsere Darstellung beeinflusst – auch eintreten kann. Uns wird bewusst, dass anders als bei unserer Schwesterkunst, dem Film, der direkte zwischenmenschliche Kontakt ein wesentliches Merkmal von Theater ist. Regisseur, Dirigent, Schauspieler, Sänger, alle anderen und Sie, unser Publikum – für Theater brauchen wir uns gegenseitig. Auch sind wir uns ganz sicher, dass Sie uns nicht „nur“ wegen der von uns dargestellten Inhalte besuchen: das gemeinsame Fertigmachen und Ausgehen, das Gemeinschaftserlebnis im Foyer vor der Vorstellung und während der Pause, das Reflektieren, Applaudieren und anschließende Sich-Austauschen spielen eine genauso große Rolle für Sie.

 

Natürlich, auch unser erster Reflex auf die Schließungen war das Wort „Internet-Livestream“, und einige Theater kommen dem aktuell auch nach. Wir haben als Landestheater Niederbayern bisher nicht die technische Infrastruktur dafür aufgebaut, und selbst wenn wir dies jetzt täten, sähen wir es immer noch nicht als das Gebot der Stunde, nun Schauspieler oder Sänger zu Proben und Geistervorstellungen zu versammeln, die wir dann vor Kameras spielen würden. Der Livestream würde Ihnen den Theaterabend auch nicht annähernd ersetzen.

 

So wollen wir nun, so gut es eben möglich ist, gemeinsam inne halten. Wir sind genauso in Sorge wie Sie, wie lange dieser Zustand andauern und wie die Welt danach aussehen wird. Gleichwohl sehen wir hier auch eine Chance. Ein wenig fühlt es sich so an, als könne Marcel Proust die Suche nach der verlorenen Zeit einstellen, denn irgendwie ist sie ganz von alleine zurückgekommen. In einer Welt der andauernden atemlosen Beschäftigung haben wir für eine Weile die Möglichkeit, „zu sein“ und nicht „zu tun“. Wir können uns selbst begegnen, nachdenken, fühlen. Wir können schaffen. Wir können großen Schwierigkeiten und damit Dingen in uns selbst begegnen und uns damit auseinandersetzen.

 

Machen wir das Beste daraus! Bleiben Sie gesund!

 

Wir sehen uns bald, hier im Theater!

 

Sehr herzlich

Ihr Stefan Tilch