HINWEIS

Stand vom 07.05.2020:

 

Die Leitung des Landestheaters Niederbayern hat sich nach Rücksprache mit den verantwortlichen Stellen dazu entschieden, alle noch für diese Saison geplanten Vorstellungen abzusagen.

 

Selbst wenn das bestehende Veranstaltungsverbot gelockert oder aufgehoben würde, ist absehbar, dass die Fortsetzung des Spielbetriebes nur unter Einhaltung bestimmter Infektionsschutzregeln möglich sein wird. Zur Verdeutlichung das Beispiel Mindestabstand: Privatpersonen operieren mit den vorgeschriebenen 1,5m, laut einem Empfehlungsschreiben der berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherung VBG gelten für „singende oder exzessiv sprechende Personen“ mindestens 6m, für Bläser in Blasrichtung 12m. Die Übertragung der im Detail noch zu erarbeitenden neuen Regeln auf bestehendes oder neues Repertoire ist derzeit nicht möglich, da aktuell in den beiden Häusern Landshut und Passau auch kein Probenbetrieb stattfindet. Von daher ist die Absage der für diese Spielzeit noch geplanten Vorstellungen inklusive der beliebten Burgenfestspiele im Moment der einzige Weg.

 

Derzeit erarbeitet das Landestheater Niederbayern ein Hygienekonzept, um zunächst den Probenbetrieb sobald möglich wieder aufzunehmen. Parallel dazu entstehen kreative Konzepte, die inhaltlich und in den Darstellungsformen die genannten Infektionsschutzregeln mit der Kunstform Theater verbinden sollen. Diese werden als Grundlage für einen gegenüber dem angekündigten Spielplan 2020/2021 in Teilen veränderten neuen Spielplan dienen. Details hierzu werden gesondert bekannt gegeben. Auf dieser Basis erhofft das Theater ab September den Neustart in eine für Künstler und Publikum den Verhältnissen angepasste erfolgreiche neue Spielzeit.

 

Bis dahin wird das Theater alles tun, um unter Umständen noch im Juni oder Juli besondere kleine Formate anbieten zu können, um vor der Sommerpause noch einmal mit seinem Publikum in Kontakt treten zu können. Die Vivaldi-Oper „Herkules am Thermodon“ wird in der kommenden Spielzeit (Frühjahr 2021) gezeigt werden. Über eine Verschiebung der ausgefallenen Schauspielproduktionen "Westend" und "Ungeduld des Herzens" in die kommende Saison ist derzeit noch nicht entschieden worden. "Die Walküre" wird mit allen ursprünglich geplanten Vorstellungen ebenfalls im Frühjahr des kommenden Jahres nachgeholt. Die Premieren der letzten beiden Teile der Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ verschieben sich dadurch ebenfalls um jeweils ein Jahr auf 2022 („Siegfried“) und 2023 („Die Götterdämmerung“).

 

Die Theaterkassen werden alle Kartenbesitzer und Abonnenten kontaktieren und sie über die Rückgabe von Karten sowie die Erstattung für entfallene Abo-Vorstellungen informieren. 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

liebes Publikum,

  

Zeit, um darüber nachzudenken, wie wir auch in dieser Situation unserer Aufgabe nachkommen und Ihnen weiter Angebote der Emotion, der Reflektion, des Diskurses oder der Unterhaltung machen können. Erste Überlegungen hierzu münden in ein vielleicht überraschendes, aber deutliches Ergebnis: wir können es nicht!

 

Theater bedarf des gemeinschaftlichen Raumes. Sie müssen sich mit uns im gleichen Saal aufhalten, damit die viel gepriesene Theaterinteraktivität – Sie spüren uns, was Ihre Reaktionen beeinflusst, wir spüren Sie, was unsere Darstellung beeinflusst – auch eintreten kann. Uns wird bewusst, dass anders als bei unserer Schwesterkunst, dem Film, der direkte zwischenmenschliche Kontakt ein wesentliches Merkmal von Theater ist. Regisseur, Dirigent, Schauspieler, Sänger, alle anderen und Sie, unser Publikum – für Theater brauchen wir uns gegenseitig. Auch sind wir uns ganz sicher, dass Sie uns nicht „nur“ wegen der von uns dargestellten Inhalte besuchen: das gemeinsame Fertigmachen und Ausgehen, das Gemeinschaftserlebnis im Foyer vor der Vorstellung und während der Pause, das Reflektieren, Applaudieren und anschließende Sich-Austauschen spielen eine genauso große Rolle für Sie.

 

Natürlich, auch unser erster Reflex auf die Schließungen war das Wort „Internet-Livestream“, und einige Theater kommen dem aktuell auch nach. Wir haben als Landestheater Niederbayern bisher nicht die technische Infrastruktur dafür aufgebaut, und selbst wenn wir dies jetzt täten, sähen wir es immer noch nicht als das Gebot der Stunde, nun Schauspieler oder Sänger zu Proben und Geistervorstellungen zu versammeln, die wir dann vor Kameras spielen würden. Der Livestream würde Ihnen den Theaterabend auch nicht annähernd ersetzen.

 

So wollen wir nun, so gut es eben möglich ist, gemeinsam inne halten. Wir sind genauso in Sorge wie Sie, wie lange dieser Zustand andauern und wie die Welt danach aussehen wird. Gleichwohl sehen wir hier auch eine Chance. Ein wenig fühlt es sich so an, als könne Marcel Proust die Suche nach der verlorenen Zeit einstellen, denn irgendwie ist sie ganz von alleine zurückgekommen. In einer Welt der andauernden atemlosen Beschäftigung haben wir für eine Weile die Möglichkeit, „zu sein“ und nicht „zu tun“. Wir können uns selbst begegnen, nachdenken, fühlen. Wir können schaffen. Wir können großen Schwierigkeiten und damit Dingen in uns selbst begegnen und uns damit auseinandersetzen.

 

Machen wir das Beste daraus! Bleiben Sie gesund!

 

Wir sehen uns bald, hier im Theater!

 

Sehr herzlich

Ihr Stefan Tilch