DER MENSCHENFEIND

Molières Misanthrop in der Fassung von Botho Strauß

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Inhalt

UNBEDINGTE WAHRHEIT Verstellung, Lüge, Boshaftigkeit – der junge Aristokrat Alceste meint die Scheinhaftigkeit seiner Mitmenschen zu durchschauen und stellt der verdorbenen Welt seinen unbedingten Wahrheitswillen gegenüber. Vor Gericht will er nichts für seinen Prozess tun, seinem Freund Oronte geigt er seine Meinung über ein Sonett, was eben jener gerade verfasst hat. Ganz allein der koketten Célimène kann er nicht böse sein, da er sein Herz an sie verloren hat. Ihre Seitensprünge verzeiht er ihr genauso wie er immer wieder von Neuem an ihre Treue glaubt. Schließlich verlangt er von ihr, dem gesellschaftlichen Leben zu entsagen und sich mit ihm in die Einsamkeit zurückzuziehen. Doch die lebenslustige Célimène lehnt ab und Alceste kehrt der Welt allein und endgültig den Rücken.

EIN „KOMISCHER“ AUSSENSEITER Die Rigorosität, mit der Alceste nicht nur jede Lüge, sondern auch jedes konventionsgerechte Verhalten anprangert, wird ihm zum Verhängnis. Er wird zum gesellschaftlich geächteten Außenseiter. Molière sah genau darin die Komik dieser Figur, wobei der Dichter es hervorragend verstand, die Sympathien für Alceste genau auszubalancieren: Während seine Entlarvung von Heuchelei und Verlogenheit gesellschaftlichen Verhaltens Alceste Sympathie einbringt, stellt sie der Autor gleich dadurch wieder in Frage, indem er den Protagonisten als selbstgerecht und egoistisch darstellt.

EIN PERSÖNLICHES WERK? Betrachtet man Molières Leben (1622-1673) zum Zeitpunkt des Menschenfeinds (1666), so fallen gewisse Parallelen zum Stück auf. Seine Schwierigkeiten in seiner Ehe mit Armande Béjart, deren Untreue stadtbekannt war, eine schwere Krankheit und seine finanziellen Sorgen durch die Schließung seines Theaters – all das mag zu der düsteren Atmosphäre und der Bitternis geführt haben, die dieses Werk umgibt, sodass manche Interpreten seinen Komödiencharakter generell in Frage gestellt haben.

Das Programmheft in Auszügen finden Sie hier.

Termine

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Kreativteam

Besetzung

Zusatzinfos

Premiere
Landshut, 27.02.2026
Passau, 10.04.2026
Straubing, 28.04.2026
Einführung
Landshut, 22.02.2026
Passau, 10.04.2026
Straubing, 28.04.2026
Dauer
ca. 2 Stunden, inklusive einer Pause
Preiskategorie
Landshut, Preiskategorie C
Passau, Preiskategorie C
Straubing, Preiskategorie C
Spielort
Theaterzelt Landshut
Stadttheater Passau
Theater Am Hagen Straubing

Videos

Presse

[...] Oliver Karbus inszeniert den 'Menschenfeind' in der Fassung von Botho Strauß als frische Gesellschaftssatire und lockert das statische, dialoglastige Stück etwa durch akrobatische Einlagen auf dem Flügel auf, die bis hin zum roten Kleid an Michelle Pfeiffer in 'Die fabelhaften Baker Boys' erinnern. Die dezente Musik von Peter WesenAuer hat höfische Anklänge, genau wie die tollen, spritzigen Kostüme von Katja Salzbrenner – Alceste zeigt sich auch hier unangepasst und trägt heutige Alltagsklamotten in Grau. Ebenfalls in Grau und elegant cremefarben gehalten ist Célimènes Salon (Bühne: Markus Falkensteiner), in dem sich die gesamte Handlung abspielt. Nichts lenkt hier vom Ensemble ab, das großartig agiert.

[...] Eine goldrichtige Entscheidung des Theaters: Es wurde nicht die originale Vers-Fassung mit Paarreim gewählt, sondern die zeitgemäße Prosafassung [...]. Das Tempo des Abends wurde auch verstärkt durch die dramaturgisch eingesetzte Bühnenmusik von Peter WesenAuer. [...] Benedikt Schulz gibt [der Figur des Alceste] eine starke Präsenz: Er wütet, schreit, flüstert, bettelt und fächert die Ambivalenz der Figur rührend auf [...]. Die Célimène von Katharina Elisabeth Kram ist einfach hinreißend - in jedem Wort und jeder Geste.

[...] Molières Stück heißt vollständig übersetzt 'Der Menschenfeind oder der verliebte Melancholiker' und ist eigentlich eine tragische, eine bittere Komödie. Das Publikum hat in dieser Fassung von Botho Strauß kaum Gelegenheit, zu lachen. Ambivalenz für Fortgeschrittene! Aber trotzdem bedankt es sich am Dienstagabend beim ausnahmslos brillant agierenden Ensemble des Niederbayerischen Landestheaters (Regie: Heinz Oliver Karbus) mit anhaltend intensivem Applaus und Beifallsrufen. [...] Da die insgesamt begeisternde Leistung aller Akteure schon eingangs gepriesen wurde, muss auch noch Markus Falkensteiner für sein minimalistisch-funktionales Bühnenbild gelobt werden. Und auch die Musik von Peter WesenAuer sorgt für einen außergewöhnlich genussvollen Frühlingsabend im Stadttheater.

[...] Das Stück muss sich behaupten. Und tut es. [...] Die Inszenierung zeigt die Verlogenheit der Gesellschaft, die Freundlichkeit als Fassade und die Härte eines Mannes, der keine Kompromisse kennt. Genau darin liegt die Spannung. Oder einfacher gesagt: Wer sich anpasst, verliert an Echtheit. Wer immer die Wahrheit sagt, verliert die anderen. Das Stück ist unbedingt empfehlenswert.